Brot und Spiele für die unreflektierte Masse mit Televisionsempfang

Zwei Themen über die ich mich hier eigentlich nie auslassen wollte sind Sport und Politik. Mit Sport meine ich nicht die Form von Leibesertüchtigung der man sich mitunter selbst hingibt, sondern durch wirtschaftliche Interessen gehypte Massenevents wie EM, WM und Olympia, die, wenn die Kohle stimmt, vor menschlichen Grundwerten beide Augen korrupt und fest zudrücken. Der kommerzialisierte Sport hat globale Medienpräsenz und prostituiert sich zum scheinheiligen Massenphänomen. Der Pöbel sucht das Spektakuläre, das man heutzutage nur mehr mit höchstem finanziellen Einsatz zu erreichen meint. Eröffnungsveranstaltungen wie die der Olympiade in Peking arbeiten mit derart hohen Budgets, um uns mit noch nie Gesehenem zu umschmeicheln.

Brot und Spiele für die unreflektierte Masse mit Televisionsempfang.

Das andere Thema ist die Politik. Wahlkampf wird, hier und dort, zu peinlichen Sandkastenspielen hochstilisiert. Der ORF beglückt uns mit TV-Konfrontationen. Allein das Wort Konfrontation zeigt wo Medien einen Wahlkampf angesiedelt wollen wissen. Eigentlich ginge es um Diskussion. Mich erschreckt es, spätpubertäre Kampfhähne zu Sehen und zu Hören, wenn sie sich im Hauptabendprogramm untergriffig gegenseitig zu demontieren versuchen. Wie soll da nach der Wahl, die mit 100% Sicherheit nur eine Koalitionsregierung zulässt, ein vernünftiges Zusamenarbeiten möglich sein? Politiker, die repitierend über Zukunft reden, und sich das Mäntelchen des Innovativen umhängen sind auch noch mit verbunden Augen und verstellter Stimme als Politiker zu erkennen. Mit ganz wenigen Ausnahmen handelt es sich dabei um eine Spezies, die in der Lage ist, sehr lange zu Sprechen und dabei nichts zu Sagen.

Brot und Spiele für die unreflektierte Masse mit Televisionsempfang.

Mein Verhalten heisst Verweigerung. Mittlerweile geht das auch ganz leicht. Aufgewachsen bin ich mit diversen Sportveranstaltungen am Sonntagvormittag mit denen man mich, für die Zeit bis zum Mittagessen, ruhigstellen wollte. Und mit den Politikkommentaren eines Hugo Portisch am Abend davor. Damit verbinden mich durchaus nostalgische Erinnerungen. Heute befällt mich selbst beim Monitoring beider Themen gähnende Langweile. Es ist eine Zumutung Herrn Molterer beim modernen Wahlkampf zu verfolgen, oder Herrn Strache zu beobachten wie er sich die Ideen für seinen Wahlkampf zusammen stielt, oder Herrn Haider dem zum was-weiss-ich wievieltem Mal sein Fähnchen nach dem Wind dreht. Von Herrn Faymann und Konsorten ganz zu schweigen. Er und seine Parteigenossen haben immer noch nicht begriffen das die Kreisky-Ära und damit die Zeit der absoluten Mehrheit längst Geschichte ist. Und bitte jetzt nicht den Fehler machen, mich im kommunistischen, liberalen oder grünen Lager zu vermuten.

Mein Verhalten heisst Verweigerung.

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Guten Apettit

MC Faymann

Mein kindliches Gemüt stellt sich zuweilen vor in der Zukunft zu leben. Gar nicht so weit, sagen wir 5 Jahre. Es wandert so durch die Welt und in einer Sackgasse entdeckt es eine vergessene Plakatwand. Von der Sonne vergilbt, klebt dort ein, von der Gewista scheinbar durch einen Datenbankfehler vergessenes Plakat. Selbst subkulturelle Streetartler, die urbane Fläche mitunter wesentlich kreativer markieren als die gemeindenahen Plakatierer, hatten es dort über die Jahre übersehen. Oder bewusst sich selbst überlassen. Und mein kindliches Gemüt, nichts wissend über Parteien, Wahlkampf und Olympia im 8er-Jahr, staunt über dieses “Genug gestritten”, und mehr noch staunt es über das Gesicht, das verblichene, das diese Worte zu meinen scheinen. Dieser freundliche Blick, an einen distinguierten Oberkellner erinnernd sagt doch viel mehr “Guten Apettit”.

Oder?

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Reden ist Silber. Schweigen ist Gold.

wahlkaempfer

Eines muss man Barack Obama wirklich lassen: In Punkto Kommunikation hat er wirklich gute Berater um sich. Er spielt die 2.0 Geige virtuos, nutzt Blogs, Youtube, MySpace, Facebook, twittert… Und das beste dabei: er kommt authentisch rüber und man glaubt ihm, man spricht sogar von Bürgernähe. Die Wahrheit ist, dass ich es nicht wirklich beurteilen kann und ich frag mich auch wie das mit dieser Bürgernähe weitergehen soll wenn er einmal Präsident ist, was ich hoffe. In tragenden Positionen fällt mir so schnell niemand ein der bloggt oder sonstige 2.0 Dialogspielplätze nutzt. Entweder zuwenig Zeit, meistens aber zuviel Schiss Meinung zu äussern. (Man tut das dann mit den Begriffen Strategie oder Diplomatie ab).

Aber immerhin, Obama macht seine Sache gut, sehr gut. So gut, dass man seine Startegien auch hier zu Lande für den, sich leidenschaftlich entflammenden Wahlkampf entdeckt. Am Beispiel Molterer, Wilhelm – Spitzenkandidat der ÖVP, darf ich in den letzten Tagen staunend mitverfolgen wie man sich zum Deppen machen kann. Oder gemacht wird, von Beratern, den Falschen. “Wenn Obama so erfolgreich twittert und damit seine Wahlzirkel mobilisiert, dann geht das bei uns auch” muss man dem armen Wahlkämpfer ziemlich lang ins Ohr geflüstert haben. Und jetzt twittert er. Und wie, eine Woche bei Twitter und bereits 63 Updates. Zum Vergleich: Obama bringt es in 14 Monaten auf gerade mal 166 Updates. “Kostet ja nix” hör ich sie gerade flüstern. Das güldene Sprichwort gilt aber auch im Interdings, liebe Berater. Das dünne und bemüht persönliche PR-Geschreibe entlarvt sich hier schneller und nachaltiger als einem lieb sein kann. Auf diesen Tweet hin wollt ich dann wirklich was sagen, hab es dann aber wieder sein lassen. So geht das nicht.

Verbreitung und Akzeptanz wird bei den Nerds, und nichts anderes sind Twitterer wenn man es zahlenmässig und Gesamtgesellschaftlich betrachtet, nur der finden der das Interdings mit Leidenschaft verwendet und es auch versteht. Oder zumindest versucht. Derzeit verfolgen 54102 Menschen Obamas Twittermeldungen, bei über 300 Mio. Amerikanern wäre das jeder 5607te. Schlägt man das auf die Bevölkerungzahl von Österreich um, müssten 1488 Menschen Willi Molterer bei Twitter folgen. Im Moment sind es immerhin schon 65, die üblichen Verdächtigen mit querdenklerischen Politinteresse. Die Zahl hält sich seit ein paar Tagen ziemlich hartnäckig, nach der nächsten Presseaussendung werden es aber hoffentlich sicher wieder ein paar mehr sein, hoffen versichern die Berater.

Wen es wirklich interessiert dem sei zur Neuwahl der Neuwal ans Herz gelegt. Oder Politikblogs. So macht man das.

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Definitionen

Draussen: Der große blaue Raum. U.a. daran zu erkennen, dass die Decke sehr hoch ist und an selbiger tagsüber eine offen brennende Kernfusion als Deckenlampe dient, während nachts eine dunkle Deckenfarbe mit vielen kleinen hellen Punkte sowie manchmal einer blassen Lampe verwendet wird. [392]

Winter: Ein Zeitraum, in dem von der Decke des großen blauen Raums gelegentlich größere oder kleinere Mengen kalten weißen Drecks fallen, der aus kristallinem Dihydrogenmonoxid besteht. [393]

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Brot und Spiele

Volkswerbung

Das kontinentaleuropäschiche Kräftemessen im Ballspiel ist quasi vor meiner Haustür in vollem Gange. Und es gibt kein Entrinnen davor. Allerlei Kleinwagen mutieren durch eine nationale Beflaggung zu Hoheitskarossen der sportlichen Leidenschaft. Bunt uniformierte Sporttouristen unterschiedlichster nationaler Colour lassen sich in eigens für Sie eingerichteten Fanzonen das Geld gezielt aus der Tasche ziehen. Der Dämlichkeitsfaktor von Werbesprüchen die krampfhaft einen Zusammenhang zum Fussball suchen ist auch kaum zu überbieten. Was müssen Menschen für eine Sehnsucht nach Gemeinschaft haben, dass sie sich all die Scheisse antun nur um da dabei sein zu dürfen.

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Kraft durch Freude II

JEDER weiss, dass China sämtliche Errungenschaften westlicher Zivilisation in den Boden stampft und die Menschenrechte mit Füssen tritt. Auch das IOC weiss das. Mit der Wahl Chinas als Austragungsort hat das IOC auch eine Verantwortung für den Ruf und die Glaubwürdigkeit der Spiele übernommen. Ich gehe mal davon aus, dass keiner von den Kopfnüssen bei diesem globalen Sportverein der untersten Liga über genug Courage verfügt sich über wirtschaftliche Interessen hinwegzusetzen. Die Interessenvereinigungen der Teilnehmerstaaten dürfen sich da gleich mit einreihen. Und auch wenn die Medien gerade die Schlagzeilen-Sau durchs Dorf treibt wird sich daran kaum etwas ändern. 72 Jahre sind eben eine lange Zeit, da vergisst man schon mal etwas.

Und allen, die ab dem 8. August ebenso vergesslich vor ihrem Flatscreen dem Spitzensport frönen wünsche ich ein unangenehm blutiges Sitzfleisch (plus OneWay-Freiticket zu einer Treckingtour durch Tibetisches Chinesiches Territorium).

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