Soirée Fou »Ohne Motto«

Jede Soirée Fou steht unter einem Motto, die gestrige aber nicht. Das lag daran, dass mir kein passendes eingefallen ist. Ursprünglich wollte ich die gestrige “Falscher Fünfziger” nennen, das war mir aber dann doch zu platt. Das Motto darf den Abend nur anreissen, aber nicht alles verraten. Die Blumenfrau hat immer die besseren Mottos, diesbezüglich gebe ich mich geschlagen.

Erster Programmpunkt war Kino. Die Blumenfrau hatte bis zum Filmstart keine Ahnung welcher Film kommt. Die vielen älteren Kinobesucher liessen sie Arriviertes vermuten, womit sie auch Recht hatte. Man spielte “Die Fälscher” und man muss dem Film zugestehen dass er allein deswegen einen Oscar verdient hat, weil im die sonst so provinzielle Wehleidigkeit des österreichischen Films nicht anzumerken war. Mein Sack Rohscheiben war nicht mal zur Hälfte geleert als man das Licht wieder anmachte um einen Fleck auf dem Projektionsglas zu entfernen, das scheinbar ein Besucher der Vor-Vorführung auf selbigem hinterlassen hatte. Danach ging alles wie gewohnt weiter und wir hatten guten Gesprächsstoff für den zweiten Programmpunkt des Abends. Der fand beim Österreicher im MAK statt. Die Blumenfrau delektierte sich an einem Sellerieschaumsüppchen mit Forellenkaviar und einem Zander auf Orangenfenchel, während ich die Vorspeise bleiben liess und direkt mit einem deliciösen Mariazeller Saibling auf Rotweinchalotten einstieg. Zum Nachtisch gönnte ich mir dann noch eine Rhabarbersuppe mit Topfeneis. Lang vor Geisterstunde waren wir wieder daheim und hatten ein Gefühl wie nach einer durchtantzten Nacht.

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Nochmal Latte

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Diesmal aber Machiatto. Während des Frühstücks informiert mich mein Dickdarmoperierter Bettnachbar ausführlich über selbigen. Nach dem Essen dann erste Gehversuche damit selbiges mich wieder verlässt.

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Irrigoskopie am Vormittag

Kostümball

Dank Lifestyle-Lektüre im Warteraum weiss ich jetzt auch warum mich weder das bemühte Herumgehopse noch der Zickenkrieg bei Dancing Stars interessiert. Der Röntgenologe ist sehr freundlich und nimmt mir die Scham ihm gleich mein Hinterstes zu offenbaren. Er meint, dass ich einen ausserordentlichen langen Darm hätte, ich habe aber vergessen nachzufragen ob das wirklich gut sei. Obwohl der Röntgentisch auf dem ich liege sich in alle mögliche Richtungen drehen lässt muss ich ganz anständig herumturnen damit das Kontrastmittel in allen Darmfältchen fliessen kann. Mit einem normal kurzen Darm wäre das sicher viel einfacher. Auf dem Monitor kann man in Echtzeit mitverfolgen wie sich das Zeug verteilt, leider aber nur SW.

15 Minuten später bekomme ich meinen negativen Befund in der Hand und weitere 10 Minuten später ein Butter/LaugenCroissant im Magen. Essen, endlich! Zuhause delektiere ich mich dann an Knusperoliven, einem Karotten- und einem Zucchiniflan und etwas Mandelcreme. Allesamt exorbidant gelungene Kochexperimente meiner Blumenfrau. Mit einem feinen Latte Machiatto geh ich nun ans Tagwerk.

Nachschlag: Ein wahrer Gourmet denkt bei vanillepudding-farbenem Stuhlgang zu aller erst an die Molekularküche von Ferran Adrià. Vielleicht schreibe ich Philippe Starck auch noch ein Mail dass schokobraun designte Toilettenmuscheln in Darmkliniken der Renner sein könnten.

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