Die Reisenden: Vater und Sohn
Die Handlung: Reise in die Vergangenheit
Das Ziel: Longiano in der Emilia Romagna
Jetzt sitzen wir also in seinem altem Opel und fahren Richtung SĂŒden. Vor 3 Monaten noch ein unvorstellbarer Gedanke, fĂŒr Ihn wie fĂŒr mich. Die Strecke ist minutiös geplant, wie alle seine Reisen. Mit dieser hat er jedoch nicht mehr gerechnet. Vier Stunden Fahrt sind Halbzeit, und wir ĂŒbernachten kurz vor der italienischen Grenze in Arnoldstein. Am nĂ€chsten Morgen dann ĂŒber Landstrassen durchs Kanaltal, der gleiche Weg, auf dem er als junger Soldat in den Krieg ziehen musste. Jeder Kilometer hat Geschichte und er erzĂ€hlt wĂ€hrend ich fahre. Es regnet heftig, aber das stört nicht. Kurz nach MIttag erreichen wir Cervia, wo bereits Pierina auf uns wartete.
Die Freude des Wiedersehens war unspektakulĂ€r herzlich, fast so als ob man sich vor nicht allzu langer Zeit zuletzt gesehen hatte. So, als ob man eigentlich nie weg gewesen wĂ€re. In den Herzen dieser 7 Geschwister war mein Vater einer von ihnen. Keine Ahnung was damals, 1944 passiert ist, aber es hat diese Menschen auf ein Leben verbunden, und darĂŒber hinaus. Die gleiche Herzlichkeit haben wir auch von den Familien ihrer Kinder erfahren, die wir in den nĂ€chsten Tagen alle kennenlernen durften. Jeden Mittag oder Abend waren wir bei BrĂŒdern, Söhnen, Schwestern eingeladen, jedes dieser Essen war ein kleines Fest, unprĂ€tentiös, delikat, laut, herzlich und immer wieder wurde die Geschichte erzĂ€hlt wie sie einander kennen lernten. Die alten, schweren Zeiten wurden aber immer getragen von dem Zusammenhalt dieser Familie in der mein Vater einen so wichtigen Platz hatte. Ăber all die Zeit hinweg, 64 Jahre. Es war als kehrte er heim, dorthin wo er eigentlich gern geblieben wĂ€r, damals. Alle Geschwister wussten von seiner Liebe zu Augusta und waren damit einverstanden. Sie hĂ€tten ihn versteckt, und beschĂŒtzt vor den Nazis. Aber er wollte die Familie nicht in Gefahr bringen und hat sich entschieden an die Front zu gehen.

Auf der RĂŒckreise weiss ich nicht genau was voller ist: Unsere Herzen oder der Kofferraum des alten Opel, der gefĂŒllt ist mit Geschenken, Wein, FrĂŒchten, selbst eingelegte Artischocken, allesamt herrlichen Delikatessen. Die Erinnerung dieser Tage geht tief, sehr tief. Ich habe verstanden warum mein Vater ist wie er ist, warum ich bin wie ich bin, und warum ich bin wie er ist. Ein Moment aus diesen Tagen wird mir aber immer in Erinnerung bleiben. Als wir beide mit nackten FĂŒssen ĂŒber den Strand gingen und ich seine kindliche Freude spĂŒren konnte mit der er das Meer genoss. Und den Gin Tonic danach, am Vormittag. Was waren wir herrlich unvernĂŒnftig.
Bilder gibts auch, und zwar hier »

Tags » Familie, Gastfreunschaft, Vater, Vergangenheit