MJOM Cards

MJOM Cards sind ein cooles Kartenspiel bei dem die 32 beliebtesten Web- und App- Giganten wie Google, Twitter, Facebook, YouTube, Soundcloud, Uber oder Youporn gegeneinander antreten. Ein Must-Have für Design-Geeks und Internet-Nerds und ein Teamprojekt von unserer Agentur 86/60 mit Moritz Kobrna und Johannes Nagl.

Wie alles begann

In Agenturprojekten ist das Maß aller Dinge das Businesskonzept unserer Kunden. Letztlich gibt es deshalb immer Gewerke in einem Projekt auf die wir wenig oder gar keinen Einfluss haben. Und möglicherweise anders angehen würden.

Umso verständlicher ist der Wunsch alles in der Hand zu haben. Ein Produkt von der Idee weg zu entwickeln, das Branding und die Tonalität einer Marke zu gestalten und operativ einzusetzen, die Social-Media-Präsenz, die PR und nicht zuletzt die Logistik für die gesamte Abwicklung zu entwickeln. Mit den MJOM Cards haben wir uns diesen Wunsch realisiert.

Ein Super Trump als haptischen Screenshot der derzeitigen Internet-Industrie

Unser Freund Moritz Kobrna, Web-Developer und Mitgründer vom Büro Die Antwort erzählte uns von seiner Idee eines Supertrumps, bei dem man Tech-Firmen gegeneinander spielt. Allerdings als Kartenspiel, quasi ein haptischer Screenshot der derzeitigen Internet-Industrie. Die Idee hatte Potential für ein spannendes Side-Project, denn sie war:

  • einfach
  • schnell umzusetzen
  • am Puls der Zeit
  • und versprach viel Gestaltungsfreiraum.

Mit von der Partie war außerdem noch Johannes Nagl, Social-Media-Profi und technischer Kopf bei Swat.io. Dreamteam! Und so legte uns der Zufall den passenden Namen gleich vor die Nase. MJOM – die Anfangsbuchstaben von Moritz, Johannes, Oliver und Michael. Trivial, aber einprägsam und symphatisch.

Das MJOM Cards Team: Moritz Kobrna, Johannes Nagl, Oliver Schöndorfer und Michael Holzer
Das Dream-Team: Moritz, Johannes, Oliver und Michael

Recherche, Konzeption & Projektmanagment

Bei unseren ersten Treffen haben wir die Unternehmen ausgewählt und nach durchgängig eruierbaren Daten gesucht. Dann entwickelten wir einfache Dummy-Karten und es wurde viel Super Trump gespielt, um zu testen ob das Konzept spieltechnisch wirklich gut funktioniert. Unsere Meetings begannen somit immer mit einer Runde MJOM Cards. Erst dann recherchierten wir Daten und Hintergründe zu allen Unternehmen und legten einen Stichtag für die Aktualität der Daten fest.

Making of MJOM Cards – Erste Papierprototypen für Web Trumps

In den nächsten Treffen sammelten und verteilten wir alle anfallenden Tasks:

  • Entwicklung des Brandings
  • Gestaltung der Karten und der Verpackung
  • Konzeption der Webshops (Storytelling und Design)
  • Preisgestaltung
  • Abwicklung der Finanztransaktion und Rechnungslegung
  • Versand- und Portokonditionen
  • Kommunikationsmaßnahmen
  • Social-Media-Strategie
  • PR-Maßnahmen
  • Entwicklung des Bildmaterials und der Pressetexte

Wir stellten uns aber auch die Frage was die Realisierung gefährden könnte. Den größten Stolperstein sahen wir in unserem Perfektionismus. Deshalb einigten wir uns auf einen Launchtermin in nur zwölf Wochen (den wir in perfekter Teamarbeit auch wirklich realisierten). Alle Aufgaben mussten ja neben unseren Agenturprojekten Platz haben.

Design der Karten

Nachdem das Grundkonzept stand, machten wir uns ans Gestalten der Karten. Zuerst dachten wir, dass es zu aufwändig sein würde jeder Karte ein eigenständiges Design zu geben. Wir versuchten ein Konzept zu entwicklen, das die Wertigkeit der verschiedenen Kategorien visualisierte. Schnell aber zeigte sich, dass Web Trumps so zu einem recht langweiligen Spiel werden würde, da Super Trump auf die Werte alleine reduziert nicht besonders interessant ist.

Also doch ein individuelles Design, das typische Merkmale der Unternehmen zeigen soll. Und das entweder mit einem von uns frei interpretierten User Interface, oder als assoziative Darstellung, die das Unternehmen erst im Kopf entstehen lässt.

MJOM Cards Web Trumps – Design aller 32 Karte

Es war die richtig Entscheidung, denn genau diese Individualität gab Web Trumps erst den besonderen Reiz. Jede Karte muss vom Spieler entdeckt werden. Da wird z.B. Amazon als Versandaufkleber dargestellt, Soundcloud zur Audiokassette oder das Userinterface der Google-Suche neu interpretiert. Jede einzelne Karte überrascht mit cleveren Anspielungen und Insiderwissen. Auf der Wikipedia-Karte bittet Gründer Jimmy Wales in einem Banner um Spenden, Yahoo wird etwas zynisch im nostalgischen Pixel-Look der 90er präsentiert während die Karte von MySpace einfach nur Augenkrebs verursacht.

MJOM Cards Web Trumps: Netflix vs. Vimeo
MJOM Cards Web Trumps – Facebook vs. Wikipedia
MJOM Cards Web Trumps – Amazon vs. What’s App

Wir hatte einen unglaublichen Spaß die Karten zu designen. In nur zehn Tagen hatten wir das Grunddesign aller 32 Stück. Das hat nur funktioniert weil wir konsequent jede Karte nur grob gestalteten, bis wir alle durch hatten. Danach erst überarbeiten wir das Design, machten den Feinschliff und tricksten so unseren Perfektionismus aus.

Produktion

Wir planten für den Anfang nur eine niedrige Auflagenhöhe, da wir alles selbst finanzieren wollten. Wir dachten an unsere Freunde, deren Freunde oder daran die Karten als Weihnachtsgeschenk für unsere Kunden zu verwenden. Wir überlegten auch ein Crowdfunding für die Finanzierung einzubinden, wollten dann aber unsere Zeit lieber in die Qualität des Kartenspiels investieren.

Beim Material der Spielkarten gingen wir auch keine Kompromisse ein. Die Wahl fiel auf Symbol Card 2Side der italienischen Papiermanufaktur Fedrigoni. Auch die Produktion der Kartendecks wollten wir in engagierte Hände legen und entscheiden uns für eine der letzten familiengeführten Druckereien Wiens, gleich bei uns ums Eck. Die Suche nach einem passenden Packaging für die Web Trumps gestaltete sich als äußerst mühsam, die Auflagenhöhe bot wenig Auswahl und schränkte den Spielraum stark ein. Nach einer Woche Recherche hatten wir auch dieses Problem gelöst.

MJOM Cards Web Trumps – Beim Andruck der der Spielkarten in der Druckerei Adam Wien
MJOM Cards Web Trumps – Beim Andruck der der Spielkarten in der Druckerei Adam Wien

Nachdem wir die Produktion der Decks unter Dach und Fach hatten, ging es an die vielen Kleinigkeiten die man gerne vergisst, aber einen Großteil des Erfolgs ausmachen. Das Auspacken einer Bestellung ist der emotionalste Moment im Onlineshopping. Es ist schade wenn man das verschenkt. Passende Versandtaschen die wenig Portokosten verursachen mussten ebenso gefunden werden wie ein Branding dafür. Nicht zu vergessen die gesamte Logistik, Korrespondenz und Rechnungslegung für den Verkauf. Alles sollte so automatisiert als möglich ablaufen.

MJOM Cards Web Trumps – Die fertig produzierten Sets vor dem Verpacken
MJOM Cards Web Trumps Versandverpackung mit dem Aufkleber: „Hurray! You’re Web Trumps by MJOM Cards have arrived. Now grab the mailman and battle Google vs. Tinder.“

Website

Die Website war der Dreh- und Angelpunkt des ganzen Projekts. Beim Webshop entschieden wir uns deshalb für Shopify, für die Finanztransaktion setzten wir Paypal und Stripe ein. Überschaubare Lizenzkosten und eine perfekte Anbindung an unser Design gaben den Ausschlag für diese Entscheidung.

MJOM Cards Web Trumps Responsive Webdesign auf Tablet und Mobile

Bei der Konzeption der Website achteten wir auf ein gutes Storytelling. Während der ganzen Entwicklungsphase sammelten wir schon alle Inhalte für die Website. Die Entwurfsphase erfolgte noch in MockUps, nachdem die Richtung klar war wurde direkt in einem HTML-Dummy die komplette Seite weiterentwickelt. Wir konzipierten eine One-Pager, natürlich responsive und in englischer Sprache. Denn wir vermuteten unsere Zielgruppen im internationalen Tech- und Designumfeld.

Launch

Wie geplant ging am 27.Oktober in der Früh unsere Website mjom.cards online. Das Going Online war eigentlich nur als Soft-Launch gedacht, die Funktionalität des Webshop wollten wir im Praxistest noch mit Freunden testen. Deshalb haben wir den Launch auch nur in unseren privaten Kreisen auf Facebook und Twitter geteilt.

Umso überraschter waren wir was dann passierte. 30 Minuten nach dem Launch wurden die Web Trumps bereits auf Product Hunt gelistet, im Moment DIE Anlaufstelle für hippe Produkte. Wir hatten ebenfalls geplant uns über Product Hunt unseren Zielgruppen vorzustellen, haben aber nicht damit gerechnet dass uns jemand dort postet.

Von diesem Moment an bekam das Projekt eine unerwartete Dynamik, die wir nur dank der Social-Media-Kompetenz von Johannes und der Monitoring Tools von Swat.io lenken konnten. Johannes reagierte auf alle Kommentar und Fragen und nach 60 Minuten landeten bereits die ersten Bestellungen in unserem Webshop. Fünf Stunden später hatten wir einen guten Artikel im britischen Business Insider. Da war eine Lawine im Rollen, das spürten wir förmlich. Von allen Seiten kam positives Feedback, wir konnten es kaum fassen, unsere Freude war riesengroß. Etwa 50 % der Bestellungen kam aus den USA der Rest verteilte sich auf so gut wie alle europäischen Länder. Die Bestellungen aus Österreich waren jedoch noch überschaubar.

Das große Interesse und die ununterbrochen eintrudelnden Bestellungen motivierten uns dazu Web Trumps einem Ladengeschäft anzubieten. Bereits der erste Versuch im Répertoire war erfolgreich. Mit einer derartig großen Nachfrage hatten wir wirklich nicht gerechnet. Überall wo wir unsere Web Trumps präsentierten war man von der Idee begeistert.

MJOM Cards Web Trumps bei Répertoire Wien

Parallel dazu intensivierten wir unsere Kommunikation auf Facebook und Twitter. Interessant sind vor allem die Erfahrungen, die wir mit Twitter gemacht haben. Für derartige Produkte ist Twitter sicher das bessere Medium zur Verbreitung einer Idee.

MJOM Cards sind ein limitiertes Projekt

Sieben Tage nach dem Lauch hatten wir den Break even bereits erreicht und alle unsere Ziele weit übertroffen. Die erste Auflage war online verkauft, internationale Medien schreiben über MJOM Cards, wir waren im konventionellen Handel vertreten und hatten ausserdem mehrere Großbestellungen für Weihnachtsgeschenke. Wir waren hoch zufrieden und das Projekt hatte das Potential für einen weiteren Ausbau. Aber wir hatten eigentlich gar kein Interesse ein Geschäft aufzuziehen, die Bestellungen zu bearbeiten, Pakete zu versenden …

Wir sind Gestalter, Entwickler, Pioniere.

Die MJOM Cards waren nie als kommerzielles Projekt gedacht. Uns ging es um den Spaß und ums Ausprobieren. Deshalb trafen wir eine Entscheidung, einstimmig und schnell: MJOM Cards sind ein limitiertes Projekt. Wir werden noch eine Auflage produzieren, und dabei ein paar Verbesserungen am Design vornehmen. Aber danach ist Schluss. Genau genommen am 23. Jänner 2016 ist Schluss. Jedoch setzen wir uns ein neues Ziel:

Reichweite!

Wir wollen mit strategischen Social-Media-Aktivitäten und gezielter Pressearbeit im Online- und Printbereich die größte mögliche Reichweite erzielen. Mit einem eigens entwickelten Press Kit (Danke an Christine Wurm für die spitzen Texte) informieren wir die österreichischen Leitmedien. Unser Aufhänger dabei: „Made in Vienna“. Wir kontaktieren die wichtigsten deutschen Szeneblogs und bekommen große Resonanz.

Lieben Dank, euch allen! Bei der internationalen Verbreitung setzen wir weiter vorwiegend auf Twitter. Unsere Tweets an die follower-starken High Potentials der Design- und Webszene werden zig-fach retweetet. Diese Erfahrungen und Insights in Prozesse die in der Regel nach unserer Designarbeit stattfinden sind ein wahrer Wissensschatz. Unsere Agenturarbeit profitiert schon jetzt davon.

MJOM the World